Warum wir beim Kaffee nicht jeden Cent umdrehen sollten und welchen fair gehandelten Kaffee ich empfehlen kann.


Wieviel Kaffee trinken wir?

Jedes Jahr, gibt Tchibo in Zusammenarbeit mit dem Magazin brandeins und statista, den sogenannten Kaffeereport heraus. Hier werden 5.000 Menschen nach ihrem Kaffeeverhalten befragt. Das Ergebnis ließt sich so:

Im Schnitt wurden 2018 in Deutschland 3,4 Tassen Kaffee pro Tag getrunken.

Das sind knapp 160 Liter Kaffee im Jahr.

Getrunken wird hauptsächlich Filterkaffee.

Entsprechend besitzen auch 68% der Befragten eine Filtermaschine, gefolgt von der Padmaschine, dem Handfilter und den Vollautomaten.

Für den weltweiten Verbrauch, lässt sich eine Steigerung des Kaffeeverbrauchs um gut 50% zwischen dem Jahr 2000 und 2016 feststellen.

Das sind aktuell 9.442.920.000 Kg – also ziemlich viel.

Europa verbraucht davon ca. 32% und ist damit Spitzenreiter im Kaffeekonsum.

Kaffeebecher und Bananen.
Kaffepause in Laos und eher untypisch mit Bananen. Normalerweise bin ich mehr der Typ für Kaffee und Kuchen.

Bedenkt man jedoch, dass Regionen mit einer sehr viel höheren Bevölkerungsdichte als Europa, einen noch geringeren Kaffeekonsum vorweisen als wir, hier jedoch stetig aufholen, wird auch der Bedarf nach Kaffee weiter steigen.

Vielleicht auch ein guter Grund eine Vorbildfunktion einzunehmen und mehr auf den Ursprung des Kaffees achten?

Woher stammt der Kaffee hauptsächlich?

Das größte Exporteur von Rohkaffee ist nach wie vor Brasilien.

Von hier stammen 32,4% des gesamten Kaffees, den wir auf der ganzen Welt verbrauchen.

Bisher dachte ich, dass danach entweder Kolumbien, Honduras oder Indonesien folgen – aber das war falsch.

Zweitgrößter Kaffeeexporteur ist tatsächlich Vietnam.

Das kleine südostasiatische Land hat in den vergangenen 30 Jahren seine bewirtschaftete Fläche um knapp 3.000% vergrößert.

Blick in eine Kaffeeplantage in Laos.
Organic Coffeebreak: Kaffeepause in einer Kaffeeplantage in Laos.

Die Leistung ist natürlich ziemlich gewaltig.

Bedenkt man aber auch hier, dass diese Flächen bei konventionellem Anbau schnell in Monokulturen verkommen, hat diese Entwicklung einen gewissen bitteren Beigeschmack.

Unter dieser Art der Bewirtschaftung leidet die natürliche Artenvielfalt und Biodiversität, was sich irgendwann auch auf den Menschen auswirken wird.

Wie groß ist daran der Anteil fair gehandelten Kaffee?

Die Menge des fair gehandelten Kaffee, der durch ein UTZ-Siegel zertifiziert ist, liegt 2017 bei 850.000.000 Kilo.

Die UTZ ist eine Stiftung, die ein Label vergibt, für das Landwirte bestimmte soziale und umweltbedingte Kriterien einhalten müssen.

Die UTZ steht zwar in der Kritik, das nicht immer alle Kriterien eingehalten werden und Bauern sowie Hersteller das Siegel zu unrecht erhalten – allerdings glaube ich auch, dass es, je größer eine Stiftung/Verein wird, desto schwerer wird es, wirklich alles ins Detail kontrollieren zu können.

Grundsätzlich ist aber die Idee eines Siegels durchaus sinnvoll und meiner Meinung nach besser als keins. Als Verbraucher sollte man sich jedoch vorher mit den Praktiken der Siegel vertraut machen – zumal (fast) jedes Siegel mit Kritik zu kämpfen hat.

Nimmt man sogar alle zertifizierten Kaffeeproduktionen zusammen (UTZ, Fairtrade, 4C, Rainforest Alliance), dann liegt der Anteil an „gutem Kaffee“ sogar über 1 Mio. Tonnen.

Welchen fair gehandelten Kaffee kann ich empfehlen?

Ich bin eher der Typ „Kaffee mild“. Besuche ich eine neue Rösterei und habe keine Ahnung von den angebotenen Sorten, ist meine Frage immer ähnlich:

„Habt ihr etwas fruchtiges, mildes, gerne hell geröstet, das ihr mir empfehlen könnt?“

In Deutschland trinkt man seinen Kaffee bevorzugt stark, aber in der Regel gibt es immer eine Röstung, die zu meiner Frage passt.

Besonders in Hamburg hat man die Qual der Wahl, wenn es um die besondere Bohne geht.

Drei Ideen für fair gehandelten Kaffee aus Hamburg.

Es gibt natürlich noch einiges mehr an kleinen Röstereien, die auf fair gehandelten und/oder direkt importierten Kaffee wert legen. Bei Zeiten kann ich diese Liste auch nochmal etwas erweitern.

Falls man aber mal Kaffee im Internet bestellen möchte, kann ich übrigens den Shop von CoffeeCircle empfehlen.

Warum wir also fair gehandelten Kaffee kaufen sollten!

Wie Anfangs beschrieben, ist der Kaffeekonsum in Deutschland enorm und steigt weiter an.

Länder, die noch nicht unbedingt zu den großen Industrienationen zählen, werden ziemlich sicher ihren Kaffeekonsum steigern, weshalb wir, diejenigen die es sich jetzt leisten können, eine Veränderung gestalten und eine Vorbildrolle einnehmen sollten.

Wir haben die Möglichkeit etwas mit unserem Konsum in den Ländern zu bewirken, in denen unser Kaffee angebaut wird.

Und ganz ehrlich: Wer sollte es denn sonst machen, wenn nicht wir?

Es gibt günstigen und teuren fair gehandelten Kaffee, genauso wie es günstigen und teuren konventionellen Kaffee gibt.

Die Wahl liegt aber wie bei so vielem: Bei jedem selbst.

Weitere Infos

Wer sich für den Kaffeereport interessiert, für den gibt es eine gut aufbereitete Microsite des brandeins-Magazins: https://kaffee.brandeins.de/

Wenn du deinen Kaffee gerne bargeldlos mit einem nachhaltigen Girokonto bezahlen möchtest, dann wäre vielleicht die Tomorrow Bank etwas für dich? Ich habe dazu einen kurzen Bericht geschrieben.

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Februar 23, 2019

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